Freitag, 30. April 2010

Die Ortsunschärfe der Krone

Ein Tag kann unglaublich viel enthalten. Schon zu Mittag war er voll genug, und ich hätte mich gut und gerne ins Bett legen und Eindrücke im Traum verarbeiten können. Stattdessen schleppte ich mich nach dem Eisessen mit den netten neuen Bekannten durch die Altstadt, um mich zum Zug zu schleppen und mich dann vom Zug nach Hause zu schleppen.

Was ist es nur, das mich so erschöpft? Sind es Sorgen, die sich noch nicht bis ins Bewusstsein durchgearbeitet haben? Ist es schlicht die Umwandlung von körperlicher Belastung in Form einer Schultertasche mit unglaublich schlechter Druckverteilung in seelische Belastung? Oder war meine Reizschwelle in diversen Übungen und Gesprächen im Seminar einfach schon erreicht?

Interessante Beobachtung an mir selbst: Wenn ich müde bin, scheint sich der Bauch auszuschalten und nur noch der Kopf zu agieren. In der Mitte kommt dann nichts mehr an. Einzig guter Humor hat noch Chancen, sich durchzuschleichen bis in mein Inneres. Grandios: Der trockene Gunkl-artige Humor des Physikers. Eine sehr interessante Weltsicht, welche die Basis für viele gute Unterhaltungen sein kann.

Kurz davor, das letzte Spiel in der Seminargruppe: "Gesagt ist nicht verstanden." Stille Post mit Bildinformationen. Eine Zeichnung mit Text wird durch zehn Personen gefiltert und weitergegeben. Als vorletzte betrete ich den Raum und lasse mir von meiner Vorgängerin ihre spärlichen Informationen mitteilen. Da ich nachfragen darf, will ich klarstellen, welcher der beiden Männer in dem Bild denn die Krone trage. Sie: "Das ist egal." Ich grinse. Interessante Formulierung. Ob sie es wohl nicht weiß? Und ob schon sie von ihrer Vorgängerin die Gleichgültigkeit mitbekommen hat? Der Physikus betritt das Zimmer, ich beschreibe ihm das Bild genauso, wie ich es beschrieben bekommen habe. Auf der Stufe ist das keine große Kunst mehr - drei Sätze merkt man sich leicht auswendig. Auch er fragt nach: "Wer trägt denn die Krone?" Ganz gewissenhaft informiere ich ihn: "Das ist egal." Es bricht aus ihm heraus: "EGAAAAL??!!??!!" Das mathematisch-logische Entsetzen wabert in der Luft. Die Hälfte der Teilnehmer wirft sich fast von ihren Stühlen vor Lachen.

Aber irgendetwas gibt es, das mich ermüdet. Das Unangenehme passiert immer unangekündigt. Beinahe zuhause stehe ich an der Ampel und schalte während des Wartens den Ton an meinem Handy wieder an. In einer Schrecksekunde erkenne ich Kelly Bundy vor mir, die sich in derselben Sekunde umdreht. Ich bin noch nicht zu den Heiligen übergetreten, die alle Welt sympathisch finden können. Kelly Bundy ist äußerst unangenehm. Unter allen Schülerinnen war sie wohl die nervigste und anstrengendste, die ich je erlebt habe. Ich schaue sofort wieder auf mein Handy, gebe mein Erkennen nicht zu erkennen. Sie flüstert ihrem Begleiter zu: "Das ist die..." Noch immer denkt sie, Erwachsene wären taub. Ich bin deprimiert. Viel zu müde, um irgendetwas zu tun, außer vorzeitig abzubiegen und einen anderen Weg nach Hause zu nehmen. Kelly ist wirklich nicht weiter erwähnenswert. Aber durch unser kurzes und vergessenswürdiges Zusammentreffen sind ein paar alte Gedanken wieder aufgetaucht. Manchmal ist es schwer, die Männerwelt zu verstehen. Nein, in diesem Fall die Buben. Es laufen so viele hübsche und schöne Mädchen herum; dann ist da eine, die aussieht wie eine Puppe, auch mit dem Verständnis einer Puppe in den Augen, und sie wird als Schulschönheit empfunden. Das könnte einem egal sein, wenn nicht viele andere Mädchen sich an dem orientieren und geknickt sein würden, weil sie nicht so aussehen, sondern normal und von innen strahlend. Ich verstehe es nicht. Da kommen wohl auch meine ureigenen Erlebnisse aus der Pubertät wieder, als auch ich nicht verstand, warum die Schrecklichen Fünf immer viel angesehener waren als die normalen Mädels. Als ich neulich meine nun in der Stadtpolitik weilende frühere Klassenkameradin sah, spürte ich noch immer denselben Stich, als sie mich mit Dolchaugen anblickte. Die selbstsicherste und unabhängigste Frau kann manchmal 20 Jahre zurückversetzt werden und sich daran erinnern, wie sie den Sturschädel-Tyranninnen etwas Böses gewünscht hat.

Wo war ich? Wenn ein Gefühl ein paar Tage lang da ist und plötzlich, wenn man sich mit den Visionen und den Themen beschäftigt, die das Feuer in einem brennen lassen, wieder verschwunden ist, was bedeutet das dann? Ist das ein temporärer Verlust aufgrund akuter Reizüberflutung? Ich kann es nicht lösen und werde es wohl sein lassen, bis sich mein Bauch wieder meldet.

Montag, 26. April 2010

Bagatellen, Bass und Bachchoräle

Ich mag Informationen, die sich im Nachhinein einstellen und etwas Vorangegangenes erhellen. Banales kann einen Grinsetouch erhalten.

lost in a moment

Als ich die Straße überqueren wollte, sah ich auf der gegenüberliegenden Seite einen Mann, geschätzt Mitte Fünfzig, der an einer Eiskugel leckte. Das Beigebraun der Eiscreme hob sich leicht vom Hellgrau seines Anzugs ab, aber was mich faszinierte, waren seine Konzentration, sein kraftvoller Gang und seine ausladenden, nicht zimperlichen Schleckbewegungen. Plötzlich dachte ich: "Walnusseis!" Ich wollte Walnusseis und konnte förmlich seinen Eisgenuss auf meiner Zunge spüren. Schon war er auch vorbei und wir in entgegengesetzte Richtungen unterwegs, aber es war eine Wärmequelle in mir: Wie schön und wie wichtig ist doch solcher Genuss, solche Freude, solche Konzentration auf das Kleine, auf den Moment.

Samstag, 24. April 2010

Das Bahn-Mail kommt - oder auch nicht

Was die Bahn so alles unter Preisauskunft versteht! Wenn ich im Nachhinein von einem Problem berichtet, das mit meinem Ticket zu tun hatte, ist es dann wirklich zu akzeptieren, dass einfach Tage später die lapidare Mail-Antwort kommt, zu Preisauskünften müsse man die Hotline anrufen? (Praktisch fast ganz gratis.) Ich bin kurz davor aufzugeben.

Donnerstag, 22. April 2010

3:39

Sometimes the belief in great comes back into vision, and then it hurts and hurts and hurts.

Dienstag, 20. April 2010

Magnetismus

Mein Wissenstipp: Planet Wissen mit dem Titel "Mythos München - von Glamour, Grant und Gemütlichkeit". Ich schalte auf jeden Fall am 10.5. ein. :o)

Lost in 77

Das Unterbewusstsein tut, was es will. Mal hindert es, mal hilft es. Ich war beinahe völlig anderswo, der Kopf auf Standby, da machte es plopp! Und vor mir war ein riesiges Bild eines Eichhörnchens.

Montag, 19. April 2010

Mix and mingle

Die dunkelblauen Säulen waren vertraut - doch die Zeit der Sentimentalität schon vorbei. Ich kam zurück, und es war wie ein Blick in ein altes Kinderbuch. Ich suchte seine Nummer und wählte. "Hallo! Wo bist du? Bist du schon da?"
"Ja, ich bin im Keller, schau mir die Ausstellung an. Wo bist du?"
"Ich bin schon da, im Foyer. Ich komm runter."

Tiptaptiptap die Stufen runter. Suchende Blicke zwischen Exponaten, Menschen und mehr Säulen. Ah, ich sehe einen dunklen Schopf, der mein Herz ein wenig erwärmt. Als ich beinahe bei ihm bin, nimmt er mich wahr, dreht sich her, wir sehen uns an, das erste Mal seit drei, vier Jahren. Seine Augen strahlen. Er versucht, etwas zu sagen, stockt ein paar Sekunden. Ich strahle ihn auch an. Schließlich bringt er heraus: "Wwwwow! Gut schaust du aus!"
Ich erwidere: "Danke! Du auch!"

Thus starts the story of a night like no other before. Though not in the sense he who loves a good romantic tale might think. No. We thought we lost you. Welcome back!

...

Donnerstag, 15. April 2010

A song from wonderland

Balancing on
one wounded wing

We thought we lost you
We thought we lost you
We thought we lost you
Welcome back


The New Pornographers

Dienstag, 13. April 2010

Assorted gems

Heute auf dem Yogi-Tee:
"Große Persönlichkeiten müssen durch große Prüfungen gehen."

In anderer Sache: Eine Perle von Film angesehen, der, zugegeben, von Steve Zahn getragen wurde, wenngleich auch der Film an sich sehr gut war. Management. Und als ich den Abspann wie immer verfolgte, um speziell die Soundtracktitel zu erlesen, dachte ich daran, woran ich nun immer denke, wenn ich einen Filmabspann anschaue.

Gleich danach, im aufgelösten Zustand des einen Film durch mich durch Lassens, fiel mir das SMS ein von einer... ich weiß gar nicht, wie ich sie bezeichnen soll. Godsend vielleicht. Und plötzlich wusste ich, was die Abkürzung darin hieß - ich hatte falsch hingesehen. "Many hugs"!! "Many hugs"!! Sometimes it takes a while for things to come to you.

Ich bin so dankbar. Für die Menschen, die Erlebnisse, alles, was ich lernen kann. I'm so grateful. Und das ließ ein gut gespeichertes Lied aufploppen: "Thank you, India, thank you, providence, thank you, thank you, silence..." Alanis!

"The moment I let go of it was the moment I got more than I could handle. The moment I jumped off of it was the moment I touched down." (A.M.)

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