Freitag, 10. Dezember 2010

Wenn ich nicht aufpasse...

Vor irgendetwas im Schlaf scheine ich Angst zu haben, denn ich kann und will mich nicht hinlegen. Dann würden Gedanken ja richtig loslegen, Gefühle ungehindert strömen. Ich weiß nicht, ob ich mich dann erst so richtig darüber ärgern würde, dass ich das Geschirr alleine machen musste, oder ob es etwa um ganz andere Dinge geht. Es nagt die Ahnung im Hinterkopf, dass es etwas ganz anderes ist. Habe ich etwas Wichtiges vergessen? Habe ich die netten Viecherl, deretwegen ich gestern einen Putzanfall hatte, noch nicht ganz aus meinem Bewusstsein gestrichen? Bin ich mehr denn je zwischen den Stühlen, die da hießen Realität und Vorstellung? Und wenn ich einfach nur wahrer werde, was wäre nur so schlecht daran?

Vielleicht bin ich auch nur noch immer davon aufgekratzt, dass das zweite Seminar an sich schon sehr gut, im Vergleich zum ersten aber geradezu fantastisch war? Aus einer Sitzung, die von bleierner Müdigkeit, konstanter Verdutztheit, wachsendem innerem Rückzug gekennzeichnet war, in eine Stunde, die aus Kompetenz, Kreativität und Wortwitz bestand. Kaffee hätte nicht besser wirken können. Gut, vielleicht hat er ja MITgewirkt.

Ah, vielleicht war es ja auch die spontane wir-ratschen-während-wir-gehen-Aktion von einer Kollegin und mir, die mich zuerst mit ihr zu Zweitausendeins und dann in anregenden Gesprächen durch die S-Bahn-Fahrten gebracht hat. Ach, dieser Laden! Als ich mich damals in Hamburg im Zweitausendeins umsah, schüchterten die vielen Bücher, in denen so viel Allgemeinwissen steckte, mich ein. Nicht nur, dass meines sich nur Halbwissen titulieren darf, nein, ich empfand auch große Unlust, mich angesichts der schieren Unüberblickbarkeit des Angebots auch nur irgendwie weiterzubilden. Seltsamerweise habe ich das in anderen Buchläden ja gar nicht, bloß in diesem. Doch dann, heute: Neben großartigen Werken, die zu kaufen ich sicher zurückkommen werde, wurde ich auch an einen Menschen erinnert, der mir zwar heutzutage egal ist, der mich aber entscheidend geprägt hat. Ich wähne mich jetzt viel weniger sarkastisch, ja, vielleicht sogar frei von Zynismus - was so ein Richtungswechsel nicht alles bewirken kann! -, aber im Naturell ähnle ich ihm doch, und seine Art spricht mich durchaus noch an. (Heute weiß ich aber zum Beispiel, dass auf Dauer alleine sein Zigarettenkonsum eine Beziehung unrealistisch gemacht hätte. Kalter Rauch - jeder Rauch - das geht ja gar nicht!) Und da stand ich nun vor einem Buch, das zwei Katzen am Umschlag zeigte, und den Zeichner dieser Tiere hätte ich unter Millionen identifiziert: Rudi Hurzlmeier! Oder, wie der noch immer geschätzte M gesagt hatte: "Die Zeichnungen sind vom großartigen Rudi Hurzlmeier." Meine Kollegin und ich blätterten es durch, und ich zerkugelte mich bei jeder Seite von Neuem. So etwas von 100%ig mein Humor!!!!

Absolute Weltklasse!

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Hmm

And I'm not sad...

Mittwoch, 8. Dezember 2010

virtual insanity

Oh! Oh! Oh!

Wenn einem die Technologie eine Erkenntnis über das eigene Leben bringt... IT-speak macht auf einmal glasklar, wie meine Beziehung funktioniert. Split tunneling. Ein Teil meiner Gefühle wird hier gelebt. Der Punkt, der von Anfang an nicht da war, der will nun anscheinend wieder in dem anderen Kanal erblühen. Mit Vehemenz. Da es mich aber in der Realität zu zerreißen droht, wenn ich die Existenz zweier Tunnels bemerke, möchte ich bitte die Nutzung meines VPN-clients einstellen. Ab nun kein Datentransfer mehr aus dem Sektor "you used to be my soulmate".

Samstag, 27. November 2010

Der Krampf im Bauch geht langsam weg

Funny how even in a crowd and just before dusk you can sense a pair of eyes looking at you from afar.

Funny how sometimes you sense, nay, know in your stomach that someone finds you attractive.

Donnerstag, 25. November 2010

Gott schütze dich

Es ist mir unangenehm. Weil... ich will nicht... ich hoffe, du... ich will nicht, dass du denkst, dass ich...

Nein, das denke ich nicht. Das denke ich nicht von dir.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Soso

Neulich hab ich in Facebook ein paar neue Fotos auf der Seite meines Tanzpartners betrachtet, und bei der Gelegenheit bin ich auf eines gestoßen, das ich selbst kommentiert hatte. Oha! dachte ich da. War das ich? Ich hatte und habe keinerlei Erinnerung an den Akt des Hinterlassens einer Bemerkung. Ich nehme doch nichts zu mir außer Amalgam, was mein Gedächtnis so beeinträchtigen könnte. Eine kurze weitere Überlegung führte mich auf eine andere Spur. Aha. Gedächtnisdieb entlarvt: Beschäftigung mit nur einer, äh, Beschäftigung. Tag und Nacht gratis online Fragen beantworten und äh...

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Grand scheme

Und da sag einer, Träume seien Schäume. Letzte Nacht habe ich von Mist geträumt. Nicht im österreichischen Sinne, kein Abfall, der da so rumlag, nein, es war tatsächlich Kuhmist. Nehme ich mal an, ich hab im Traum nicht nach den Urhebern gefragt. Ich versuchte lediglich erfolglos, über diesen Boden zu kommen, der voll von strohigem Mist und mistigem Stroh war. Laut Symbollexikon verheißt das was Gutes, und was ist heute "passiert"? Grandioser Start in ein vielversprechendes Jahr, in ein neues Leben. Mein Herz schlägt wieder für mein Leben.

For some unknown reason, really oddly, one particular tune keeps popping up in my head whenever I'm really happy: oioioioioioi, oioioioioioioioi, he was a Buffalo soldier!!

Montag, 18. Oktober 2010

Curb your enthusiasm

Heute bin ich ein bisschen sentimental. Einen kleinen Hauch von. Etwas hat mich auf "Fix It" von Coldplay gebracht, und ich habe mir die Version von Young@Heart angesehen. Es gibt Musikstücke, die mich zu Tränen rühren. Dieses hat mich außerdem an den Abend erinnert, als ich den Film auf DVD ansah. Es war letztes Weihnachten, irgendwann nach den Feiertagen, die ganze Familie versammelt. Die neue Couch wurde probegesessen. Schön, etwas kühl, etwas hart. Die alte war abgesessen, aber mehr zum Fläzen geeignet.

Wir schauten im Dunkeln. Alle waren gebannt. Ich heulte Rotz und Wasser. Alle anderen waren gerührt. Ich hörte nicht mehr auf zu weinen. Manchmal weint man um mehr als um das, was es zu sein scheint. Als mein Großvater starb, als die ganze Verwandtschaft und alle seine Freunde in der Kirche und am Friedhof und davor und danach weinten, da weinte ich beinahe noch viel mehr als alle anderen. Ich erklärte es mir so, dass ich die traurige Atmosphäre in mir aufsog und darum noch mehr weinte. Aber ich war mir auch klar darüber, dass ich nun endlich wegen aller Dinge weinte, die in meinem Leben nie beweint wurden, worden waren. Einer schwarzen Last, die mich jahrelang klein hielt. Einer Angst, so groß zu sein, wie ich sein wollte. Einer Lebensschiene, die mir dumpf als irgendwie unpassend und zwickend erschien. Personen, die aus meinem Leben geschieden waren (und nun anderswo lebten). Und ich weinte, wie es immer zu sein scheint, umso mehr, je mehr ich es zu stoppen versuchte. On a track. No stopping.

Vor anderen Leuten, vor Leuten, die mich nicht gut kennen, habe ich noch nicht oft geweint. Als ich F. von den USA erzählte und ohne mein bewusstes Zutun plötzlich von meinem Erlebnis im Essay-Kurs sprach, kamen mir die Tränen. Warum? Vielleicht, weil ich auf einmal einen kurzen Blick auf einen glücklichen Moment erhaschte, während ich ihr in meinem Unglück gegenübersaß?

Als wir die DVD von Young@Heart anschauten und ich immer deutlicher fühlte, dass das ein unglaublich wahrer, echter und wunderwunderschöner Film war, da kamen die Tränen auch wegen anderer Dinge. So ein intensives Gefühl, von innen heraus mitgerissen zu werden, das Leben mit jeder Faser zu spüren, die Schönheit der Welt und die innere Schönheit von einzelnen Menschen an Gesten und Blicken zu erkennen, so etwas kannte ich von anderswo her, ich hatte es eben erlebt, und ich spürte beim Wiedererleben den Abschied deutlicher als davor. Ich hatte noch nicht getrauert. Nun saß ich da, als Fred auf der Bühne saß und "Fix It" sang. "When you love someone, and it goes to waste." Ich heulte innerlich auf.

Auch heute, da alles ganz anders ist, fühle ich bei diesen Zeilen und Tönen den letzten Dezember. Ich fühle die schneidende Kälte, die an meinen Stiefeln hochfließt. Die meinen Nacken, der von den hochgesteckten Haaren nicht gewärmt werden kann, streift. Und die mich doch nicht so recht berührt. Ich höre den Schnee unter meinen Füßen knirschen, während ich froh bin, noch pünktlich zu sein. Ich atme die Dunkelheit ein, die viele Menschen enthält, aber niemanden, den ich kenne. Ich fühle die sanfte Nervosität in meiner Brust, während ich die Schaukästen nach neuesten Kinoinformationen abtaste. Ich prüfe mich innerlich und denke, vermutlich erliege ich soeben einem Trugbild, vermutlich hat der Geist sich etwas zusammengezimmert. Ich erhasche einen Blick auf die digitale Zeit- und Temperaturanzeige, die sich in den Glastüren spiegelt, und ich verdrehe meinen Hals, um sie lesen zu können. In jenem Moment schreitet jemand in mein Blickfeld. Er hat mich bereits zuvor gesehen. Er lächelt. Was sagt mein Herz? Der Geist hat sich nichts eingebildet.

"Lights will guide you home." Niemals werde ich vergessen. Niemals all die kleinen Momente, in denen mir ein Licht aufging. Auch nicht die schönen, die ein Drehbuchautor nicht hätte schreiben dürfen, weil zu dick aufgetragen. Zu weit war meine Wahrnehmung aufgedreht. Bis zum Anschlag. Dafür reicht man bekanntlich meist selbst. Auch heute ist an dieser Intensität noch nicht viel anders. Andere Gefühle, aber selbe Lupenfunktion. Gereicht mittlerweile eher zum Unglück, letztlich. Damals, im Dezember, da passierte ein Leben in zwei Tagen. Schon wieder. In jenem Augenblick, als wir uns umarmten und ich den Nachdruck seiner Hand am unteren Rücken spürte, da rutschte mein Herz in die Traurigkeit und gleich weiter in Schockwahrnehmungsresistenz. Wie kann etwas so schön und so wahnsinnig traurig zugleich sein? Ist es die Sache von Genie und Wahnsinn, Gratwanderung zwischen Gut und Böse? Ich half einer Dame, die im Adventrummel ihren Weg verloren hatte, die Richtung wieder zu finden, und sie schaute durch den Schleier auf meinen Augen. Eine Sekunde lang sahen wir jede in das Herz der anderen.

Auf der Couch wusste niemand, warum ich hauptsächlich weinte. Gut so. Ich sprach innerlich einen weihnachtlichen Wunsch aus. Er wurde sogar bis heute erfüllt, obwohl ich nie für möglich gehalten hätte, dass ein Wunsch, der genauso fantastisch wie alle anderen Wünsche davor war, in Erfüllung gehen könnte.

Manchmal kreuzen sich die eigenen Wege mit jenen eines anderen Menschen zu einem Zeitpunkt, den man später als ungünstig erkennt. Den einen traf ich zwei, drei Jahre zu spät. Denn als ich kam, gab es schon die andere, zwei, drei Jahre lang. Heute weiß ich, dass er und ich ohnehin nie gut gewesen wären, dass er und sie hingegen sehr gut sind. Den anderen traf ich ein paar Jahre zu früh. Andererseits auch genau zum richtigen Zeitpunkt. Wäre es nicht so gewesen, wäre ich nicht dort gesessen, hätte nicht gedacht "Stimmt, das Leben ist schön! Ich muss meines ändern, damit es sich wieder wie das schöne von einmal lange her anfühlt." Das Schöne ist: Es hat so vieles einen Sinn. Manchmal muss man nur geduldig sein. Lesezeichen.

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